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Emma Adamek

† 21.07.2015
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Angelegt am 21.08.2015
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Kondolenz

Heute wärst du 95 geworden...

11.07.2022 um 20:05 Uhr von Edith

... und ich bin heute 68 geworden. Wettermäßig war der Tag für unseren Geburtstag auch merkwürdig: bewölkt und gerade mal um die 20 Grad! Früher, als wir noch bei dir in Buer feierten, mussten wir wegen der Hitze die Blendläden runterlassen. Die letzten Tage hatte ich abends schon wieder kalte Füße und musste zeitweise einen Pullover überziehen. Die ganze Zeit hört man jetzt auch, wie es wohl in Herbst und Winter wird mit dem Heizen. Auf jeden Fall wird es teuer. Schon im letzten Winter habe ich gespart, Heizung und Licht und bisher ist noch alles im Rahmen. 

Diese Woche soll 's noch richtig heiß werden und bis zum Urlaub nächste Woche muss ich noch mal richtig arbeiten: Ich unterrichte bei einem Kollegen in Bochum Ukrainerinnen in einem Kurs und ne bunte Mischung in einem anderen Kurs als Honorardozentin. Das bringt ne Menge Geld zusätzlich zur Rente, und nie war es so wertvoll wie heute!

Auf deinem Grab habe ich in diesem Jahr wilde Blumen gesät, die nun in allen möglichen Farben und Arten blühen. Die Bienen bevorzugen aber immer noch Lavendel. Im Baum tummeln sich so ca. 10. Immerhin sind da welche, denn es werden immer weniger. 

Bis demnächst! 

Kondolenz

Geschichten um "Sichten"

03.02.2021 um 14:04 Uhr von Edith

Je länger ich in Integrationskursen tätig bin, umso spannender finde ich unsere deutsche Sprache und umso lieber möchte ich sie erklären. Ich bin mir dessen bewusst, dass mir zur Sprachwissenschaftlerin noch so Manches fehlt, aber ich bin nun schon in einem Alter, in dem man gern ins Sinnieren verfällt und sich dann in schlaflosen Nächten gern Sprachliches vors innere Auge führt. Apropos Auge: Die Augen sind das Augenfälligste im Ge-Sicht, und von ihrer Hauptfunktion, dem Sehen, bezieht es seinen Namen, anders als beispielsweise im Englischen oder Französischen. So ranken sich rund um die deutsche Sicht kleinere sprachliche Partikel wie die Präpositionen vor, um, nach, auf, über, unter oder an und Adjektive wie weit, kurz, fern oder eng. Es tritt sogar in Verbindung mit dem Rücken auf in Rücksicht oder mit der Art und Weise etwas zu sehen in der Sichtweise.

Für die Sicht und ihre Wort-Familie ist besonders prägnant die bekannte Redewendung „etwas hüten wie den eigenen Augapfel“. Diese Bedeutung findet sich in der Vorsicht, Rücksicht, Umsicht, Übersicht und Weitsicht und betrifft wichtige Bereiche des täglichen Lebens wie den Straßenverkehr, verbunden mit den reflexiven, trennbaren Verben sich vorsehen und sich umsehen, die Kindererziehung, in der Eltern ihre Aufsichtspflicht nicht vergessen dürfen, aber auch in den politischen Entscheidungen, die getragen sein sollten von Kompetenzen wie Übersicht und Weitsicht.

Die Nachsicht spielt meiner Meinung nach eine etwas zwielichtige Rolle: Behandelt man jemanden mit Nachsicht, so ist man zwar gütig und gnädig, lässt Gnade vor Recht ergehen, was ja durchaus sympathisch ist, aber allzu oft hat man hinterher das Nachsehen und bezahlt mit später Reue. Nachsichtigkeit geht leicht und unmerklich in Nachlässigkeit über: Laissez-faire in der Erziehung ist das Merkmal eines antiautoritär verbrämten Erziehungsstils, der eine ganze Kindergeneration der Vernachlässigung anheimgegeben hat.

Vorsicht und Umsicht bis hin zur Ängstlichkeit waren dir sehr eigen und im Bezug zu mir als deinem Kind kann ich getrost sagen, dass du mich behütet hast „wie deinen eigenen Augapfel“. Ich erinnere mich an eine Geschichte, die du mir oft erzählt hast: Wir wohnten noch in der Fritz-Reuter-Straße und ich war noch klein, keine 3 Jahre alt. Du warst wohl mit dem Vater beschäftigt und in einem unbeaufsichtigten Moment machte ich mich „ganz stickum“ an einem Teewagen zu schaffen, in dessen Schublade sich auch Rasierklingen befanden. Es dauerte aber nicht lange, bis dir auffiel: „Was ist die so still? Da stimmt doch was nicht!“ und schon warst du bei mir. Anstatt in Panik zu verfallen, verfielst du in stoische Ruhe, die sich wohl auch auf mich übertrug. Das war das Beste, was du in diesem Moment tun konntest, denn ich hatte schon eine Rasierklinge im Mund zerkaut. „Edchen, mach mal den Mund auf –  aaah –  und streck schön die Zunge raus!“ Ich war ein gehorsames Kind und tat, was du mir sagtest. Mit einer Pinzette holtest du zügig alle Stücke aus meinem Mund heraus und – es war nichts passiert! Ich hatte mich nicht geschnitten und wohl auch nichts runtergeschluckt.

Fortan war es ein Gebot der Vorsicht, alle gefährlichen Gegenstände außer Reichweite aufzubewahren. So wuchs ich weiter behütet auf, auch als du tagsüber arbeiten warst und die Omas und Opas sich um mich kümmerten. Ich gehörte zu einer Gang um Willi Benkert, der nebenan wohnte und 1 – 2 Jahre älter war als ich. Wir rannten die Straße rauf und runter, manchmal auch auf Rädern. Ich hatte vom Vater ein interessantes Fahrrad geschenkt bekommen, das zugleich auch ein Roller war, aber eben ein für mich etwas schwerfälliges Gefährt, das ich gerne gegen einen echten Roller eintauschte. Wenn du aus dem Fenster sahst, dann fuhr der Willi auf meinem Fahrrad vorne weg und ich mit einem Roller hinterher. Das mochtest du nicht, denn du sahst mich dadurch übervorteilt, was mir wiederum egal war, denn mir ging’s nur um die Leichtigkeit der Fortbewegung. Wir ritten auf Mülltonnen, spielten Cowboy und Indianer und schwangen das Lasso um Pfähle aus Stein, an denen wir hochkletterten. In der Fritz-Reuter-Straße verbrachte ich die ersten Jahre meiner Kindheit bis zur Grundschule und ich muss im Nachhinein sagen, dass es wohl die besten waren, die besten Jahre bezogen auf die Kindheit jedenfalls. Denn später machte mir die Schule viele Sorgen, das Gymnasium, nach dem Umzug in die Bismarckstraße fehlte mir meine Gang, Edith (überwiegend) allein Zuhause, hatte viel Langeweile, kaum Bewegung und damals noch das Fernseh-Testprogramm, bis irgendwann gegen 17:00 Uhr das schmale Kinderprogramm anlief, als dessen Highlight ich „Sport – Spiel – Spannung“ bezeichnen möchte. Mir war so langweilig, dass ich mich auch auf den regelmäßigen Konfirmandenunterricht freute und den Vikar aus Jux und Dollerei ständig provozierte, nur damit der mir wieder Strafarbeiten aufgab. Die ich erledigte immer gerne und sorgfältig und konnte dem Vikar damit zeigen, dass seine Strafen für mich gar keine waren, was ihn dann auch wieder irgendwie irritierte.

Nach unserem erneuten Umzug nach Gelsenkirchen-Buer wurde es aufgrund des Lebens in einer erweiterten Patchworkfamilie wieder sehr viel spannender und auch in der Schule lustiger. Der Pubertätsknickel rollte mir mächtig im Kopf herum und wir hatten viel Spaß mit den Lehrern à la Feuerzangenbowle.

Auch danach noch war das Leben für mich im Nachhinein betrachtet ein Auf und Ab, geprägt von Langeweile und Sorgen auf der einen und Lust und Spannung auf der anderen Seite. Du pflegtest immer zu sagen, wenn ich mal deprimiert war: „Ach, mach dir nichts draus. Das ist im Leben so. Auf Regen folgt auch wieder Sonnenschein.“ Das ist banal, aber in der Situation wirksam und im tiefsten Kern wahr, insofern man nicht wirklich an einer Depression erkrankt ist.

Ein weiteres Highlight, wenn nicht das größte, war Sonjas Geburt. So wie du immer um mich kreistest und ich folgerichtig um mich selbst, nahm ich fortan eine deutliche Verschiebung der Angst um mich auf die Sonja wahr, mein kleines Bündel Leben, das in den ersten Monaten noch sehr zerbrechlich schien. Das habe ich als Erlösung empfunden, denn ich brauchte plötzlich um mich keine Angst mehr zu haben. Ich kreiste nun um sie, so lange, bis sie groß und aus dem Gröbsten raus war: Ich war eine sogenannte „Helikoptermutter“, die immer wissen musste, wo das Kind war und was es machte. Gewisse Anflüge davon habe ich noch heute, und es macht mich kribbelig, wenn ich nicht wenigstens einmal in der Woche etwas von ihr höre. „Fahr vorsichtig!“, sagtest du immer, wenn ich mit dem Auto wegfuhr. Es nervte mich nicht besonders, ging mir eher zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus, wie das gewöhnliche Ritual des Auf-Wiedersehen-Sagens. „Ja, Mutti, mach ich“, kam dann von mir etwas spöttisch, worauf du oft sagtest: „Warte mal ab, bis du ein Kind hast! Dann wirst du dir auch Sorgen machen!“ Habe ich damals im Leben nicht dran geglaubt!

Und jetzt? Jetzt bin ich im letzten Jahr meiner hauptberuflichen Arbeit und schon wieder überfällt mich eine schier unsägliche Langeweile. Wir haben seit Mitte Dezember 2020 schon wieder Schul- und Geschäftsschließungen und obwohl ich zwischendurch etwas Kursstress hatte mit einer Gruppe, die in 2 Räumen aufgeteilt, von mir allein quasi gleichzeitig betreut werden musste, vermisse ich jetzt ebendiesen Stress. Zwar habe ich zurzeit wieder ein Online-Tutorium, auch zweimal in der Woche mit den Teilnehmerinnen Videokonferenzen via Skype (Ha – Ha – Ha!), die meistens sehr mühsam sind und von Nebengeräuschen begleitet, weil die Zuhause befindlichen Männer und Kinder das Medium auch interessant finden, aber überwiegend sitze ich im Büro herum und überwache die Aktivitäten meiner Leute (siehe „Helikoptermutter“!) und freue mich, wenn sie tätig waren. Zwar kann ich jederzeit ins Homeoffice, aber da sind meine Möglichkeiten doch etwas eingeschränkt, sodass ich so eine fifty/fifty-Lösung vorziehe.

Ich habe jetzt mit der Geschäftsleitung ausgehandelt, so lange nicht in Rente zu gehen, so lange diese meine letzte Gruppe noch nicht fertig ist und das wird wahrscheinlich sogar noch bis in den Herbst hineinreichen. Ich hatte mir ja vorgenommen, gemeinsam mit „Schwester Angela“ aus dem aktiven Berufsleben zu scheiden, aber ich weiß jetzt schon, dass mir dieses Leben fehlen wird. Ja, ich weiß es immer noch!

Vor dem Virus müssen wir uns nun verstärkt in Acht nehmen, weil es mittlerweile weltweit auftretende Mutationen gibt, aber in Bochum nehmen die Fallzahlen seit den Schließungen weiter ab. Allerdings hat im Januar der Kampf um gute Impfstoffe begonnen und bei uns geht es nur schleppend voran, weil es uns an Impfdosen mangelt. Die europäische Kommission hat da wohl zu knapp kalkuliert und sich verzockt, aber ich denke, es könnte sein, dass man eine allzu starke Impfoffensive geradezu vermeiden wollte, um ja nicht den Anschein zu erwecken, die gesamte Bevölkerung „chippen“ zu wollen. Vielleicht wollte man uns vom Gegenteil überzeugen und den militanten Impfgegnern den Wind aus den Segeln nehmen. Seit gestern ist sogar der russische Impfstoff ernsthaft im Gespräch und könnte demzufolge auch bei uns Anwendung finden. Hm…

Die Maskenpflicht ist stattdessen verschärft worden: Im letzten Jahr wurden zur Pandemiebekämpfung die AHA-Regeln eingeführt (Abstand – Hygiene – Alltagsmaske) und da war es noch ziemlich egal, was für eine Art Maske man sich umband. Auf Facebook schrieb jemand, das Virus sei so klein, dass es bequem durchs textile Gewebe passe wie eine Fliege durch Maschendrahtzaun. Was dabei keine Berücksichtigung fand, war die Tatsache, dass die Viren nicht „an sich“ im luftleeren Raum vorkommen, sondern in „Aerosolen“ (kleine Tröpfchen, die sich stundenlang im Raum aufhalten können) und damit können sie nicht die Masken nicht mehr so einfach durchdringen.

Jetzt sind in Läden und öffentlichen Verkehrsmitteln die sogenannten FFP2- oder OP-Masken verpflichtend. Sie versprechen einen besseren Schutz, selbst infiziert zu werden. Das ist es doch, was wir immer gedacht haben und denken wollten: „Wie kann mich das Ding vor den Ausdünstungen der anderen schützen?“ Die Alltagsmaske sollte die anderen vor mir schützen und das konnte man uns Egoisten nicht wirklich verständlich machen. Das ist auch, wie ich finde, ein großer Unterschied zur Mentalität der Asiaten, die mit dem Tragen ihrer Masken weniger sich selbst, sondern vor allem die anderen schützen wollen. Hier ist ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie ihr Ende absehbar und die Chinesen brüsten sich damit, dass ihr System doch das bessere sei.

FFP2-Masken waren erst sehr teuer, werden aber immer billiger und Personen, die wie ich über 65 sind und/oder Vorerkrankungen haben, bekommen sie kostenlos! Man soll einen Bezugsschein bekommen, mit dem man dann seine Masken von der Apotheke abholen kann. Ich habe im Dezember 3 kostenlose Masken bekommen, von denen sind, sparsam wie ich bin, immer noch 2 in Verpackung. Die erste trage ich immer wieder mal, nachdem ich sie mehrere Tage zum Trocknen an die Heizung gehängt habe. Ja, die werden jetzt auch zum sichtbaren Müllartikel…

Seit Tagen regnet es nun schon bei ein- bis zweistelligen Temperaturen (zumindest bei uns) und das im Februar! Ich habe immer noch die leise Hoffnung, dass es diesmal für die Bäume reichen möge.

In diesem Jahr ist ein Super-Wahl-Jahr und „Schwester Angela“ tritt nicht mehr an! Da kann sich so einiges dramatisch verschieben, aber ihre CDU wird wohl auch ohne sie die stärkste Partei. Die Grünen stehen in den Startlöchern und wollen auf jeden Fall mitmischen. Ob die SPD sich verbessern kann, steht noch in den Sternen. Die AFD steht verstärkt unter Beobachtung, was sie auf Landes- und Bundesebene Prozente kosten kann. Wie auch immer, es bleibt spannend in 2021, das, wie Franz Müntefering es kürzlich genannt hat, „das Jahr der Impfung“ sein wird.

Kondolenz

Das Mysterium rückt immer näher

18.11.2020 um 15:56 Uhr von Edith

Vor einem halben Jahr erzählte ich von der Corona-Pandemie und nannte sie ein „Mysterium“. Nun, was soll ich sagen, es ist immer noch da oder besser gesagt, es ist wieder krass da, und es ist immer noch unser Thema Nummer 1. Die Virologen und Epidemiologen sind sich immer noch nicht einig und es gibt mittlerweile Ärzte und ähnliche Experten, die den landläufigen Meinungen ernsthaft widersprechen und alle Gegenmaßnahmen für maßlos übertrieben halten und gemeinsam mit allem möglichen Volk wöchentlich auf die Straße gehen.

Politiker bezeichnen dieses lustig-bescheuerte Völklein als „Covidioten“, die Aluhütchen tragen, „Coronaleugner“, „Verschwörungsmystiker“, „Rechtsextreme“ und einfach um unsere Grundrechte „besorgte Bürger“, die sich Hand in Hand zum Kampf gegen die da oben und den „Mainstream“ einfinden. Als dafür verantwortlich hat sich jetzt eine Gruppierung erklärt, die sich „Querdenker“ nennt. Sie wollen gegen den Strom schwimmen, koste es, was es wolle und sie verstehen sich als Bastion des Widerstands gegen einen „autoritären Staat“.

Als Hauptübel und bevormundende Maßnahme sieht man die Alltagsmaske an. Die kannten wir früher nur aus dem Krankenhaus und auch ich assoziiere nichts Gutes mit ihr, habe mich aber daran gewöhnt, nachdem es wissenschaftlich als erwiesen gilt, dass sie vor einem großen Teil der Virusemissionen schützt, vor allem die anderen. Um dieses Teil rankt sich nun eine ganze Ideologie: Sie sei Zeichen der Bevormundung, neuzeitlicher Hitlergruß für alle, die sich der Maskenpflicht beugen und sie tragen, sowie gesundheitsschädigend bis tödlich. Es wurde sogar die Mär von an Masken verstorbener Kinder verbreitet und ein Mädchen berichtete unlängst auf einer Demo, sie müsse jetzt so leben wie einst Anne Frank. Dies wahrscheinlich unter Beifall der Neonazis, die diese Demos gut zu instrumentalisieren wissen.

Nicht nur die Maske, sondern noch einige andere Regeln gelten, die sich als Hauptschutz vor einer Ansteckung herausgestellt haben: die A-H-A-L-Regel. Man soll einen Mindest-Abstand von 1,5 m einhalten, Hygiene betreiben wie Händewaschen und Desinfektion von Flächen, zumindest in Räumen und bei engeren Kontakten Alltagsmasken tragen und Räume gut lüften.

Alles, was einer Fun-Gesellschaft Spaß macht, ist derzeit stark eingeschränkt: keine Gastronomie, Fitness- oder Nagelstudios, überschaubare Kontakte, keine Partys, keine Reisen in Risiko-Gebiete usw. Ja, das zerrt alles an den Nerven der jungen Leute und verlangt ihnen viel ab und das, obwohl sie nicht so stark von einer Erkrankung betroffen sind. Viele beugen sich aber auch hier, zeigen Verantwortung für die Älteren und werden vielleicht wieder etwas früher erwachsen als in meiner Generation. Trotzdem fühle ich mich dieser neuen Generation artverwandt. Ich war auch schon immer ein Konsumverweigerer und der Konsumverzicht könnte in Punkto Nachhaltigkeit tatsächlich zu einer tragenden Säule einer neu gearteten Gesellschaft sein. Man hört jetzt schon deutlich, dass der Kapitalismus wie wir ihn kennen ausgewirtschaftet hätte, nur weiß man wohl noch nicht, was an dessen Stelle zu treten hätte.

Die meisten Gegner der Coronamaßnahmen wollen ihr „altes Leben zurück haben“ und so langsam schleicht sich der Verdacht ein, dass das wohl nicht möglich ist. Ich frage mich auch, was an dem „alten Leben“ der Meisten wohl wirklich erstrebenswert war.

Ich bin gespannt auf das neue und wünsche mir, sei es Kapitalismus, Sozialismus oder irgendein anderer Ismus, dass es sinnvoll und vernünftig sei. Hierüber sollten sich „Querdenker“ mal Gedanken machen, anstatt nur gegen den Strom zu schwimmen und sich dabei toll und überlegen zu fühlen.

In unserer Schule gibt es auch schon den ersten konkreten Verdachtsfall: Der Mann einer Kursteilnehmerin ist positiv getestet worden und die ganze Familie hat Symptome und befindet sich in Quarantäne. Das endgültige Ergebnis steht noch aus, aber vorsichtshalber habe ich die Gruppe nach Hause geschickt. Ich habe jetzt einen Kurs in 2 Gruppen-Räume geteilt, damit die Abstände eingehalten werden können. Das ist alles etwas anstrengend und erfordert doppelte Vorbereitung, aber ich hatte mich schon an den neuen Rhythmus gewöhnt. Hoffentlich sind’s nur ein paar Tage und wir kommen nicht ständig aus dem Takt. Aber auch hierfür gibt’s noch kein Patentrezept.

Mittlerweile stehen auch in absehbarer Zeit Impfstoffe zur Verfügung, aber auch hier bin ich etwas zurückhaltend und vorsichtig. Hoffentlich muss ich nicht am Ende sagen, zu lange gezögert zu haben.

Ja, es rückt uns spürbar auf den Pelz, das unheilige Mysterium!

Kondolenz

Ein Mysterium

28.04.2020 um 11:22 Uhr von Edith

 

Seit vielen Wochen beschäftigt uns ein geheimnisvolles Mysterium: das / oder der Corona-Virus, auch Covid 19 genannt! Es soll hoch ansteckend sein und verläuft nicht selten tödlich: Seit Februar 2020 hat es sich, wohl von China aus, über die ganze Welt ausgebreitet und deshalb spricht man von einer Pandemie. Ja, ich glaube, so etwas hast auch du in deinen 88 Jahren trotz überstandener Kriegsjahre noch nicht erlebt und wie ich dich kenne, würdest du jetzt sagen: „Gut, dass ich das alles nicht mehr erleben muss!“ Und da gebe ich dir Recht, denn wenn es, sagen wir mal 5 oder 6 Jahre früher passiert wäre, dann hätten wir dich weder im Wohnheim noch im Krankenhaus besuchen dürfen und bei der Beerdigung wären nur die Sonja und ich zugelassen gewesen. So hatten wir tatsächlich noch das Glück, dich täglich besuchen zu dürfen. Unter den heutigen Umständen muss man die kleinsten Dinge schätzen lernen und es ist eine Lehrzeit in Demut und Stille, die ich auch zu schätzen gelernt habe.

 

Trotzdem ist es ein Mysterium: Es ist neuartig, selbst den Wissenschaftlern und Forschern immer noch ein Rätsel, das uns als Gesellschaft viel abverlangt, alle verunsichert, auch die Politiker und man bis heute nicht weiß, wer sich überhaupt ansteckt, wie die Ansteckungswege sind, wer daran verstirbt und warum. Offensichtlich hatten auch schon Viele eine Infektion, ohne es zu wissen, weil sie keine Krankheitssymptome hatten und auch über diese ist man sich letztlich nicht im Klaren. Zuerst hieß es, Fieber und Husten seien Symptome, auch vom Kratzen im Hals war die Rede bis hin zur schweren Lungenentzündung, sodass schwere Fälle künstlich beatmet werden mussten, aber sehr oft nicht mehr gesund wurden und verstarben. Dann las ich über einen Obduktionsbericht aus Hamburg, dass alle Obduzierten an anderen Vorerkrankungen gestorben seien und das Virus ihnen nur den Rest gegeben hätte. Zuletzt hörte ich, dass das Virus nicht nur die Lunge und die oberen Atemwege angreife, sondern viele andere Organe. Anfangs sprach man von Corona-Toten und mittlerweile heißt es Todesfälle im „Zusammenhang mit Corona“. Man unterscheidet zwischen „gestorben an Corona“ und „gestorben mit Corona“. Letztere Sichtweise scheint sich nun mehr und mehr durchzusetzen.

 

Alle tappen buchstäblich im Dunkeln und doch mussten und müssen Entscheidungen getroffen werden. Ich weiß selber nicht, wie es mit unserer Schule weitergehen soll und muss mich jetzt daran gewöhnen, die Leute online zu betreuen. Auch wenn wir wieder öffnen und das Öffnen hat in der vergangenen Woche vorsichtig wieder begonnen, wird alles ganz anders sein. Die Maria-Luise ist vom Präsenzunterricht erst mal freigestellt, weil sie zur sogenannten Risikogruppe gehört, wie ich auch: Wir sind beide über 60 und haben Vorerkrankungen! Gut, dass die Schulöffnungen die Integrationskursträger zunächst nicht betreffen.

 

Noch ein weiteres Mysterium beschäftigt mich: In Bayern und NRW gibt es die meisten Infizierten und Todesfälle „im Zusammenhang mit Corona“, aber alle, die ich gefragt habe, ob sie von einem Infizierten wüssten, verneinten! Man sieht täglich beim Einkaufen Maskierte und auch ich trage eine, die mich aber nicht schützt, weil sie ein schlichter Mund-Nasen-Schutz ist, der meine Umgebung vor mir und meiner möglichen Infektion schützen soll. Aber tatsächlich kennt niemand jemanden, der infiziert, geschweige denn gestorben wäre. Somit zeigt sich uns das Virus weitgehend nur als Zahl und ist kaum greifbar wie ein Phantom. Viele glauben daher gar nicht, dass es tatsächlich existiert.

 

Dieses Wochenende war die Sonja sogar in Hamburg und ist über 3 Bundesländer gefahren, ohne dass sie von der Polizei angehalten worden wäre! Das hätte ich mich nicht getraut, denn es bestehen immer noch Kontaktsperren und Besuchsverbote. Aber alles lief glatt ab, außer dass sie wieder mal zu schnell gefahren ist und ich dann erst mal wieder den Bußgeldbescheid bekomme!

 

Die Pandemie hat für mich eindeutig auch eine positive Seite: Was wir über die Jahre nicht geschafft haben, nämlich den Klimawandel zu verzögern, ist jetzt weltweit zu beobachten. Es wird nicht mehr viel gefahren, der Flugzeugverkehr ist total eingeschränkt und es wird weniger unnützes Zeug produziert. Statt Schickimicki werden jetzt Gesichtsmasken genäht, ab dieser Woche in ganz Deutschland Pflicht. Zwar sind seit letzter Woche auch nicht „systemrelevante“ Läden geöffnet, aber nur mit mäßigem Erfolg. Das könnte eine Klatsche für die Wirtschaft werden! Was, wenn die Leute in den vergangenen Wochen gelernt hätten, sich in ihrem Konsumverhalten auf Notwendiges zu beschränken, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden? Noch nennt man es Disziplin und schiebt es auf die Maskenpflicht, denn „mit Mundschutz komme auch nicht das richtige Shopping-Gefühl auf“, wie ich heute lesen konnte. Was also, wenn Viele sich nicht mehr so einfach manipulieren ließen? Alle hatten in den vergangenen Wochen genug Zeit, sich mit sich und ihrem Leben auseinanderzusetzen, und wer einmal ins Denken geraten ist, lässt sich auch nicht mehr so schnell davon abbringen.

 

Die Krise könnte auch eine Chance sein, eine „neue Normalität“ anders zu gestalten. Dabei wird so manches auf der Strecke bleiben und neu gedacht werden müssen. Dafür braucht es Zeit, aber es ist ein Scheideweg, an dem wir stehen, vielleicht sogar Gottes Wink mit dem Zaunpfahl.

 

Eine Sache aus der alten Normalität wird wohl alles überdauern und im Konsum nicht nachlassen: das Toilettenpapier! Ich hatte in den vergangenen Wochen, und das war auch schon lange vor der Kontaktsperre so, in sämtlichen Läden vor ausverkauften Regalen gestanden: ein weiteres Mysterium, denn das Virus schlägt wohl doch nicht primär auf den Darm. Dabei kann ich mich noch an eine Zeit davor erinnern, als wir immer nur Zeitungspapier benutzten. Später kam das einfache, harte Klopapier und dann wurde es immer weicher, duftender, in mehreren Lagen und mit bunten Aufdrucken. Ich war wohl noch in der Grundschule und wir wohnten in Wattenscheid in der Fritz-Reuter-Straße, als ich den Vater erbost sagen hörte: „Dann kann ich mir auch mit einer Scheibe Brot den A* abwischen!“ Ich hatte es damals nicht wirklich verstanden, aber es muss in diesem Zusammenhang gewesen sein: Das weiche Klopapier ist dekadenter Luxus, dann könnte man es auch mit einem „systemrelevanten“ Lebensmittel erledigen. Überspitzt, aber auf den Punkt gebracht. Er hätte übrigens heute Geburtstag!

 

Letzte Woche nun fand ich bei Netto riesige Mengen des begehrten Papiers, noch nicht einmal eingeräumt, sondern einfach in aufgerissener Folie auf dem Gang angeboten, sogar in mehreren Sorten: 10er- oder 8-Pack, 3-lagig oder 4-lagig in verschiedenen Preisen und – ich konnte nicht widerstehen!

 

Kondolenz

Per Tablet

30.12.2019 um 14:26 Uhr von Edith

Hallo!

Bald ist 2020 und ein neues Jahr(zehnt) beginnt. Vorher wollte ich mich aber kurz melden und mein Tablet ausprobieren.

Bis nächstes Jahr 

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